Night Land: Die un-heimliche Sicht auf das Vertraute

Night Land Schlindwein Fotografie Gengenbach
Night Land Schlindwein Fotografie Gengenbach
Night Land Schlindwein Fotografie Gengenbach
Night Land Schlindwein Fotografie Gengenbach
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Night Land Schlindwein Fotografie Gengenbach
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Der Fotokünstler Daniel Schlindwein ist daran interessiert die Natur in ihrer Ursprünglichkeit zu zeigen und kreiert dabei atmosphärische Landschaftsfotografien. Für seine Entdeckungen einer Natur, die scheinbar unberührt und frei von zivilisatorischen Spuren ist, begibt er sich tief ins Dickicht. In seiner Serie Night-Land beobachtet und erforscht er mit dem Blick eines Botanikers sein heimatliches Terrain, die Landschaft des Altrheins, und zeigt immer wieder neue Seiten einer teils naturbelassenen Natur. Die Pflanzenwelt erscheint dabei überdimensional, was der besonderen Perspektive zu verdanken ist.

In einem seiner Bilder der Serie Night-Land fällt der Blick auf einen kleinen Tümpel, der bedeckt ist von einer moosgrünen Schicht. Die umliegenden Sträucher erstrecken sich bis zum oberen Bildrand. Der Hintergrund, der hier und dort durchschimmert, verhält sich versteckt, denn der Blick in die Weite ist von untergeordneter Bedeutung. In dieser scheinbar hochgewachsenen Pflanzenwelt hat man das Gefühl, mittendrin zu sein und dabei ganz klein zu sein. Schlindwein schafft Miniaturwelten, die die Welt aus der Perspektive einer Ameise zeigen, die das Biotop durchwandert. Seine Kompositionen aus nahem Vordergrund und dunklem Hintergrund werden immer wieder durch farbliche Akzente ergänzt, beispielsweise durch Blütenstiele oder einer moosgrünen Tümpellandschaft. Die

Die Natur ist heute nur an wenigen Orten naturbelassen, eher künstliche Landschaft geworden, die von Menschenhand geformt ist. Daniel Schlindwein widmet sich der Veränderung seines heimatlichen Naturraumes und knüpft mit dieser Sensibilität für die Natur an die Tradition der Romantik an. Die Natur wird zum Ort der Sehnsucht wie einst schon in der Zeit der Industrialisierung. In unserer heutigen globalisierten Welt suchen die Menschen wieder nach Zufluchtsorten. Dies veranlasst Künstler wie Daniel Schlindwein zunehmend dazu, sich der Geschichte und Landschaft ihrer Heimat zuzuwenden.

Schlindwein arbeitet mit einer Mittelformatkamera, die seinen Bildern eine extreme Tiefenschärfe und dynamische Wirkung verleiht. Seine Serien setzen sich aus authentischen Bildern zusammen, die nicht digital verfremdet werden. Bei aller Natürlichkeit schließt er jedoch das Künstliche in seinen Arbeitsprozess mit ein. Da er vor Einbruch der Dunkelheit fotografiert und daher mit wenig natürlichem Licht auskommen muss, erweitert er seine Umgebung um künstliche Lichtquellen, die das jeweilige Motiv hervorhebt und Einzelheiten akzentuiert.

Für den Künstler ist es ein Abenteuer, im Vertrauten stets Neues zu entdecken und die Fragilität und Stille der Natur einzufangen. Durch seinen Blick auf die Natur entsteht eine neue und un-heimliche Sicht auf die Landschaft. Wir erleben die Natur als Mysterium in einer Welt, in der die Naturräume schrittweise begrenzt werden. Schlindweins Bilder bieten dem Betrachter die Möglichkeit zur Betrachtung des Lebens- und Naturraumes und zur Reflexion darüber, wie wir mit dieser Natur umgehen.



Text von Melanie Schloß B.A.